Wenn du deine Selbstständigkeit anmelden möchtest, verlangt das Finanzamt von dir deine voraussichtlichen Einnahmen und Gewinne für die ersten zwei Geschäftsjahre zu schätzen. Diese Aufgabe ist schwieriger als gedacht, denn wer kann das schon vorhersehen?

In diesem Leitfaden erklären wir dir, wie du deine Einnahmen und Gewinne richtig schätzt, warum das Finanzamt die Schätzung benötigt und was passiert wenn deine anfängliche Schätzung nicht mit der Realität übereinstimmt.

Wie schätzt man seine Einnahmen und Gewinne?

Deine Einnahmen richtig schätzen

Um deine Einnahmen (beachte: Einnahmen = Umsatz) korrekt einschätzen zu können, musst du deinen Preis und dein Auftragsvolumen berücksichtigen.

Zum Beispiel:

Du nimmst an, dass du 100 Stunden im Monat (Auftragsvolumen) zu einem Stundensatz von 20€ (Preis) arbeiten wirst.

100 x 20 € = 2.000 € pro Monat

2.000 € x 12 Monate= 24.000 € Jahreseinnahmen

Als generelle Richtlinie gilt: Überschätze dich anfangs nicht, denn es dauert eine Weile bis du einen festen Kundenstamm etabliert hast, durch den du stabile Einnahmen generieren kannst.

Deine Gewinne richtig schätzen

Dein Gewinn errechnet sich aus deinen Einnahmen (=Umsatz) abzüglich deiner Geschäftsausgaben. Sagen wir du hast deine Einnahmen für das erste Jahr auf 24.000 € geschätzt und du hast 4.000 € an Geschäftsausgaben bezahlt.

24.000 € Einnahmen - 4.000 € Geschäftsausgaben = 20.000 € Gewinn

Typische Geschäftsausgaben für Freelancer sind:

Beachte: Du solltest hier deine Krankenversicherung oder andere Sozialversicherungen nicht mit einbeziehen. Diese werden erst in deiner privaten Einkommensteuer berücksichtigt und beeinflussen nicht die Einnahmen aus deiner selbstständigen Tätigkeit.

Warum benötigt das Finanzamt meine Schätzung?

Da du nun weißt wie du deine Einnahmen und Gewinne schätzen kannst, fragst du dich vielleicht warum eine Schätzung benötigt wird. Das Finanzamt könnte ja genauso gut auf die tatsächlichen Geschäftszahlen am Jahresende warten.

Das Finanzamt braucht deine Schätzung, um Steuervorauszahlungen für deine ersten beiden Geschäftsjahre festzusetzen. Du entrichtest also regelmäßig kleine Teilzahlungen, anstatt einen großen Betrag am Ende des Jahres bezahlen zu müssen:

Steuervorauszahlungen

  • Einkommensteuervorauszahlungen: Das Finanzamt setzt vierteljährliche Einkommensteuervorauszahlungen anhand deiner Schätzung fest. Diese sind jeweils am 10. März, 10. Juni, 10. September und am 10. Dezember fällig.

  • Umsatzsteuervoranmeldung: Auf Grund deiner Gewinnschätzung entscheidet das Finanzamt, ob du monatliche oder vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldungen oder nur eine jährliche Umsatzsteuererklärung übermitteln musst.

Qualifizierung zum Kleinunternehmer

Die Kleinunternehmerregelung existiert, um Selbstständige mit geringeren Einnahmen steuerlich zu entlasten. Kleinunternehmer:innen werden von der Verpflichtung zur Abführung der Umsatzsteuer entbunden. Wenn deine Einnahmen den festgesetzten Grenzwert unterschreiten, kannst du dich als Kleinunternehmer:in anmelden.

Was passiert, wenn meine Schätzung am Ende des Jahres nicht mit meinen eigentlichen Geschäftszahlen übereinstimmt?

Deine Schätzung wird in den seltensten Fällen genau mit deinen tatsächlichen Zahlen übereinstimmen. Das ist vollkommen normal und wird vom Finanzamt auch nicht anders erwartet. Dennoch solltest du im Hinterkopf behalten, dass deine angegebenen Schätzungen Konsequenzen haben.

Was passiert wenn meine Schätzung zu hoch ausfällt?

Du wirst höhere Einkommensteuervorauszahlungen leisten müssen. Kein Sorge, sobald du deine Jahresmeldungen übermittelt hast, wird das Finanzamt die Vorauszahlungen deinen tatsächlichen Einnahmen anpassen und zu viel bezahlte Steuern zurückerstatten. Berücksichtige jedoch unbedingt, dass zu viel gezahlte Steuern vom Finanzamt erst nach der Bearbeitung deiner Jahresmeldungen erstattet werden. Stelle also sicher, dass du genug Geld für die anstehenden Vorauszahlungen beiseite gelegt hast.

Was passiert wenn meine Schätzung zu niedrig ausfällt?

Du wirst geringere Einkommensteuervorauszahlungen leisten müssen, aber einen höheren Betrag nach der Abgabe deiner Jahresmeldungen nachzahlen müssen. Es ist also besonders wichtig genug Geld für diese Nachzahlung zu sparen. Das Finanzamt wird zudem die Beträge für zukünftige Vorauszahlungen anhand deiner tatsächlichen Einnahmen erhöhen.

Zusammenfassung

Schätze deine zu erwartenden Einnahmen und Gewinne so realistisch wie möglich ein, damit du böse Überraschungen am Ende des Jahres vermeidest.

Sorted errechnet deine geschätzte Steuerlast basierend auf deinen Eingaben. Damit du weißt wieviel Steuern du voraussichtlich zahlen musst, erfasse regelmäßig deine Einnahmen und Ausgaben mit Sorted.

Die Steuerleitfäden von Sorted geben Selbstständigen nur erste Hinweise in Steuerfragen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar und ersetzen keinen Steuerberater. Wende dich bitte an einen Steuerberater, um eine genaue Auskunft zu deinem speziellen Fall zu erhalten. Du kannst jederzeit einen Steuerberater über die Sorted-Plattform anfragen.

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